Chorheader

Unsere Chorgeschichte...

1. Chronologie

2. Gemeinsam singen wir lauter! – Ein Chor wird 40
(Vierzig Jahre Chor Hamburger Gewerkschafter*innen!
Ein Blick zurück von Monika Abraham)


Chronologie

25.9.1979
Gründungstreffen im „Takelboden“ der DGB-Jugend nach Aufruf des
Kreisjugendausschusses. Teilnehmende: 24 Student*innen und Berufstätige
Chorleiter und Dirigent Wolfgang Friedrich.

Schnell folgten viele Auftritte bei den politischen Bewegungen dieser Zeit. Unser Repertoire bestand hauptsächlich aus Arbeiterliedern, Liedern internationaler Solidarität, Liedern aus dem antifaschistischen Widerstand und aus Friedensliedern – überwiegend mit einfachen Notensätzen, oft bekannt und gut geeignet zum Mitsingen.

1984 bis Frühjahr 2013
Chorleitung: Musiker und Komponist Niels Frédéric Hoffmann

Eine Zeit der anspruchsvollen musikalischen Weiterentwicklung des Chores.
Weiterhin Auftritte bei Veranstaltungen der Friedensbewegung und der Gewerkschaften – auch in großen Hallen wie der Dortmunder Westfalen-Halle, der Stadthalle Kiel oder dem Audimax in Hamburg - oft zusammen mit ebenfalls für den Frieden und gegen den Nato Doppelbeschluss aktiven Künstler*innen wie Esther Bejarano, Gisela May, Peter Franke, Donata Höffer, Hannes Wader, Rolf Becker u. v. a. mehr.
1986 trauten wir uns an ein erstes eigenes Programm: „Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder."

Weitere eigene Produktionen folgten:
2002/2003: „Geld oder Leben“ (eine Marx-Revue, in der wir uns aus marxistischer Sicht mit der deutschen Vereinigung auseinandersetzten)
2006: „Meer geht nicht!“
2009: „30 Jahre Chor Hamburger GewerkschafterInnen“
2011: „Werden Sie ein glücklicher Mensch!“
2013: „Wessen Welt ist die Welt?“ Abschiedskonzert mit und für Niels Frédéric Hoffmann

Frühjahr 2013
Unser langjähriger Chorleiter Niels Frédéric Hoffmann verließ uns aus Altersgründen.

2013 bis 2018
Chorleiter: Peter Hechfellner, Musiker, Gesangslehrer und Kirchenmusiker

Eine Zeit der Suche nach neuen Wegen unter Bewahrung des Gewohnten begann mit
Peter Hechfellner. Er investierte viel in die Probenarbeit mit dem Chor und schrieb uns viele Chorsätze, die Einlass in unser Repertoire gefunden haben.
Neben vielen Auftritten bei politischen Veranstaltungen und Stadtteilfesten hatten wir u.a. auch Veranstaltungen mit befreundeten Chören:

September 2013: Teilnahme am Chörefestival „Gegen Rechts“ beim DGB Chor Hannover
Oktober 2017: „So (wie es ist), bleibt es nicht“. Gemeinsames Chorkonzert mit dem Ernst-Busch-Chor aus Kiel
Mai 2018: Tübinger Ernst Bloch Chor zu Gast in Hamburg

In diesen Jahren versuchten wir im DGB KLUB ein offenes Singen mit Liedern aus den politischen Bewegungen zu etablieren. Leider mussten wir dieses auf Grund geringen Interesses einstellen.

2018 bis heute:
Chorleitung: Natalie Kopp, Gesangspädagogin und Chorleiterin

2021 -2022

Die Jahre sind geprägt von der Pandemie und den Kontaktbeschränkungen, die unser Chorleben stark beeinträchtigt haben. Es wurde improvisiert und Vieles ausprobiert: Wir haben im Park gesungen, auf der Tribüne eines Fußballplatzes, in einer kalten Kirche und natürlich per Zoom. Natalie Kopp hat uns engagiert und professionell durch diese Zeit gebracht. Auftritte konnten nicht stattfinden.
Leider musste auch unser Konzert anlässlich unseres 40jährigen Jubiläums „40 Jahre Widerstand mit Chorgesang“, das am 21.3.2020 stattfinden sollte, kurz vor dem Konzert abgesagt werden. Zu schade!

2023 bis heute:

Es ging nach der Pandemie zum Glück ohne größeren Mitgliederschwund mit voller Kraft wieder los.
Konzerte:
Mai 2022: Chorkonzert „Wir sind wieder da!”
Februar 2023: „Es wächst hinieden Brot genug ... für eine Welt ohne Krieg“
Oktober 2023: Chorreise nach Wien und Teilnahme am Chorfestival „Vocale Verwandlungen“
18.2. und 1.3.2024: „Frauen Leben Mut: Für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Freiheit“ Ein Frauenkonzert-
In Planung sind (Kurz-)Auftritte bei politischen und/oder kulturellen Veranstaltungen, sowie Konzertreisen zu anderen Chören.


Gemeinsam singen wir lauter! – Ein Chor wird 40

Vierzig Jahre Chor Hamburger Gewerkschafter*innen!
Ein Blick zurück von Monika Abraham:

Rein zahlenmäßig haben wir gar nicht so klein angefangen: Dem Aufruf des Kreisjugendausschusses beim DGB zur Gründung eines gewerkschaftlich organisierten Chores waren am 25.9.1979 immerhin 24 Student*innen und Berufstätige gefolgt, die gerne singen und dabei die Inhalte nicht links liegen lassen wollten.

Musikalisch hingegen waren die Anfänge eher bescheiden. Viele von uns hatten keine Chorerfahrung, Notenlesen und mehrstimmiges Singen waren Neuland. Der erste Auftritt kam schon im Februar 1980 auf einer Kundgebung gegen Jugendarbeitslosigkeit. Unsere Begeisterung und Engagement trugen sicherlich mehr zum Erfolg bei als musikalisches Können. Einziger ausgebildeter Musiker war unser erster Chorleiter und Dirigent Wolfgang Friedrich.

Weitere Auftritte bei den politischen Bewegungen dieser Zeit (oft im Freien) kamen in schneller Folge. Allein im Jahre 1980 waren es achtzehn! Unser Repertoire bestand damals hauptsächlich aus Arbeiterliedern, Liedern internationaler Solidarität, Liedern aus dem antifaschistischen Widerstand und aus Friedensliedern – überwiegend mit einfachen Notensätzen, oft bekannt und gut geeignet zum Mitsingen.

beim Berufsverbotekongress 6-8. Juni 1980
Berufsverbotekongress 6.-8-Juni 1980

Wir waren nicht der einzige Chor, der sich in dieser Zeit des Aufkommens der Neuen Linken gründete. Es entstanden viele Songgruppen und neue Chöre, die sich wie wir musikalisch einmischen und solidarisieren wollten mit den politischen Bewegungen dieser Zeit. Wir knüpften damit an die Kultur und Geschichte des politischen Liedes an. Für diese „Kunstform“ ist der Dreiklang aus Text, Musik und Vortrag ein grundlegendes Charakteristikum, das unserer Auswahl der Stücke bis heute zu Grunde liegt.

Richtig populär werden politische Lieder oft in Verbindung mit politischen Bewegungen. So traten wir jahrelang bei Veranstaltungen der Friedensbewegung und der Gewerkschaften auf – auch in großen Hallen wie der Dortmunder Westfalen-Halle, der Stadthalle Kiel oder dem Audimax in Hamburg – und oft zusammen mit ebenfalls für den Frieden und gegen den Nato Doppelbeschluss aktiven Künstler*innen wie Esther Bejarano, Gisela May, Peter Franke, Donata Höffer, Hannes Wader, Rolf Becker u. v. a. mehr. Für uns waren dies bewegende und unvergessene Auftritte, so z. B. das mit Gisela May gemeinsam gesungene Lied „Blauer Planet“ von Karat.

Mit der Zeit wagten wir uns an anspruchsvollere Chorsätze, so sangen und singen wir u. a. Titel aus dem reichhaltigen Fundus von Brecht/ Eisler. Auch Titel aus Rock und Pop kamen dazu, z.B. von der Kölner Politrockband Floh de Cologne „Gegen den Hunger“ oder „Geld oder Leben“ von der österreichischen Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“.

August 1984 auf dem Jungfernstieg
im August 1984 auf dem Jungfernstieg

Mehr und mehr wurde unser Fundus bereichert durch Eigenkompositionen des Musikers und Komponisten Niels Frédéric Hoffmann, der von Januar 1984 bis Frühjahr 2013 den Chor leitete und uns einen großen Schatz an für uns komponierten Liedern oder passgenauen Arrangements hinterließ. Durch unsere musikalische Weiterentwicklung war es fast folgerichtig, auch ein eigenes Programm zu erarbeiten. Ende 1986 hatten wir Premiere mit unserem ersten eigenen Veranstaltungsprogramm, dessen Titel mit Heinrich Heine war: „Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder". Mittlerweile haben wir viele eigene Produktionen erarbeitet, die wir i. d. R. zweimal aufführen.

auf dem Hansaplatz Juni 2007
2007 auf dem Hansaplatz mit Niels Frédéric Hoffmann

Aktuell arbeiten wir mit engagierter Unterstützung unserer jetzigen Chorleiterin Natalie Kopp an dem Programm anlässlich unseres 40jährigen Jubiläums „40 Jahre Widerstand mit Chorgesang“, das am 21.3.2020 in der Jugendmusikschule Hamburg aufgeführt wird.

Nach wie vor liegen zwischen den arbeitsintensiven großen Programmen (Kurz-)Auftritte, z.B. bei den Ostermärschen, zum Tag der Arbeit, zum Antikriegstag oder bei anderen politischen und/oder kulturellen Veranstaltungen. Diese sind unser „Markenkern“ oder „Alleinstellungsmerkmal“.

bei der DGB-Demo 1. Mai 19
2019 Straßenauftritt bei der DGB-Demo mit Natalie Kopp

Wo stehen wir heute, 40 Jahre nach der Gründung? Viele von uns halten dem Chor die Treue. Aktuell haben wir zwei Mitglieder, die seit dem Gründungsjahr dabei sind und 20 die bereits seit 25 Jahren und mehr mit uns gemeinsam singen. Und nicht nur das! Der Chor war und ist für viele von uns mehr als ein „Hobby“! Freundschaften, Liebschaften und Ehen entstanden und gingen wieder auseinander, Kinder wurden geboren und wurden erwachsen, es wird zusammen verreist, Karten gespielt, gewandert und gefrühstückt, politische Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen besucht und auch privat in einigen Kreisen gesungen.

Aber passt der Ansatz eines „politischen Chores“ noch in die heutige Zeit? Wie sieht es heute eigentlich mit dem politischen Lied aus? Hört man noch Protest-Songs gegen politisches oder soziales Unrecht? Viele jüngere Menschen kennen eher „Nur noch kurz die Welt retten" von Tim Bendzko als Lieder aus unserem Repertoire, andere haben neue und eigene Stilmittel für ihren Protest gefunden.

Sind wir mit unseren Liedern also „aus der Zeit“ gefallen? Ein Stück weit sicherlich. Aber wir fühlen uns – auch laut Satzung – verpflichtet, dieses historische Liedgut (anerkannt als Immaterielles Kulturerbe) zu erhalten und weiterhin zu Gehör zu bringen. Wir sind allerdings auch offen für aktuellere Titel wie z. B. „Schöne neue Welt“ von Culcha Candela, die man auf den Friday for Future-Demos hört.

Da sind wir also immer noch! Es mag eine Portion Idealismus dabei sein, wenn wir als Chor meinen, mit unseren Liedern die Welt einfangen zu können: Sie so zu besingen, wie sie ist, und so, wie sie sein sollte. Gemeinsam gesungene Lieder aber zeigen: Diese Gedanken werden von vielen geteilt. Gemeinsames Singen macht Mut und bringt Freude.

Herzlichen Glückwunsch zum 40jährigen Bestehen, Chor Hamburger Gewerkschafter*innen!